Unsere Meinung: Das sagt die VHI Bremen

Dr. med. Gerd Praetorius
Dr. med. Gerd Praetorius

 

In der Rubrik "MEINUNG" finden Sie aktuelle Positionen und Vorschläge der VHI Bremen.

Facharztleiden

VON DR. MED. GERD PRAETORIUS

Kommentar zum Landesrundschreiben Nr. 8 vom 16.12.2014


Es ist schon eindrucksvoll, wie viel Mitgefühl den niedergelassenen Fachärzten aus Führungskreisen der KV Bremen heraus entgegengebracht wird.


Aber ist es eine ausreichende Analyse, dass die böse Politik uns armen engagierten ärztlichen Unschuldslämmern das Brot wegnehmen will ?


So einfach ist es doch nicht - wir alle arbeiten unter dem Primat der Ökonomie, spätestens wenn die Bank anruft oder die Familie protestiert. Gerade Kleinunternehmen werden dann dazu neigen, auf der sicheren Seite zu bleiben.


Es ist ohne Zweifel leichter, zum gleichen Preis Routinekontrollen durchzuführen, als Termine für Akutpatienten freizuhalten. Wie oft ärgere ich mich, dass Patienten engmaschig wiederbestellt werden, deren Routinekontrollen ich genauso gut hätte durchführen können. Der (Fach-) Arztbrief darf gern den Hinweis enthalten "Bitte achte besonders auf..."


Es wäre also eine produktive Aufgabe für die KV, die fachärztlich niedergelassenen Kollegen zu beraten, wie viele Termine sie ohne hohes Risiko für kurzfristige Vergabe freihalten könnten. 


Wenn wir uns in diesem Punkt nicht selbst regulieren, fordern wir eine Regulation von Außen heraus.


Man kann durchaus argumentieren, dass in der Konkurrenz von "Primat der Ökonomie“ und technischem Fortschritt besonders in kleinen ökonomischen Einheiten das Pendel gern oder notwendigerweise in Richtung Ökonomie ausschlägt. Dies spricht durchaus für die Konzentration teurer technischer Anlagen an wenigen Standorten mit breitem ökonomischen Rückhalt. Der technischen Medizin tut scharfe Indikationsstellung wegen knapper Verfügbarkeit gut.


Die Finanzierung aufwändiger Medizintechnik über die ärztlichen Honorare darf nicht zulasten der "handwerklichen" und gesprächsintensiven Medizin gehen - deshalb wurde seinerzeit die Hausarzt - Facharzt- Trennung bei den Honorartöpfen eingeführt (deutlich verzögert übrigens).


Wir würden sie gern beibehalten.


Ich persönlich könnte mir eine Unterstützung anderer technikarmer Fachärzte bei ähnlichen Überlegungen gut vorstellen.


Übrigens wäre es fair gewesen, nicht nur auf die Förderung der Nichtärztlichen Praxisassistentin (NÄPA) hinzuweisen („Hausärzte bekommen ab 2015 mehr Geld...“), sondern auch darauf, dass Fachärzte eine Förderung in gleicher Größenordnung als Zuschlag auf die Pauschale für fachärztliche Grundversorgung (PFG) erhalten, ohne dafür zusätzlichen Aufwand treiben zu müssen.


Gerd Praetorius

Vereinigung hausärztlicher Internisten

VHI Bremen