Fortbildung „Medikamenteninteraktionen“

Von Gerd Praetorius


Kommentar zur Fortbildung „Medikamenteninteraktionen“ am 14. Januar 2015 (Dr. Egidi, Hausärzteverband gemeinsam mit Herrn Scholz von der Apothekerkammer)


Ich war auch bei dieser Fortbildung. 

Interessant wäre, wieweit die Initiative von den Apothekern ausging, die ja auch gern ihre Position (und Honoraransprüche) im Gesundheitssystem verbessern möchten.

Die Fortbildung selbst war gut gemacht. Ich unterstelle, dass Dr. Egidi sachorientiert tatsächlich eine Verbesserung der Versorgung im Sinn hatte. 

Es wurde deutlich, dass auch der Apotheker natürlich nur die Medikamente überblicken kann, die er selbst abgegeben hat - bei Nutzung mehrerer Apotheken durch den Patienten entfällt der Nutzen einer Überwachung durch die Apotheker.

Dr. Wille vom Pharmakologischen Institut hat ja auch das Zustandekommen der ABDA- Datei in Frage gestellt, offensichtlich ist die Erfassung von Wechselwirkungen etwas willkürlich und basiert nicht auf belastbaren wissenschaftlichen Untersuchungen - lt. Dr. Egidi gibt es da eine "Dame in Hessen", die die Datei pflegt, die aber für Anregungen immer dankbar ist (?)

Die von Dr. Egidi ausgehändigte Liste von Wechselwirkungen entspringt offensichtlich seiner persönlichen spontanen Einschätzung beim Durchblättern der ABDA-Liste.

Andererseits fiel mir schon auf, dass ich manche Wechselwirkungen (unabhängig von ihrer Bedeutung) nicht auf dem Schirm habe und bei ernsthaften seltenen WW (z.B. nach Organtransplantation) für eine Rückmeldung der Apotheke auch dankbar wäre.

Wie soll man damit umgehen?

Das Thema ist zu bedeutsam, um einfach in eine Abwehrposition zu verfallen ("Nicht an der ärztlichen Kompetenz kratzen lassen"). Es ist auch schon länger auf dem Tisch.

Wir sollten deutlich machen, dass wir das Thema ernst nehmen. Z.B. könnte man im Rahmen der BAR-Treffen regelmäßig 20 min "Bedeutsame WW" behandeln, jedes mal 1 Themenkomplex. Oder eine eigene Fortbildungsreihe durch ÄK oder KV initiieren. 

(Ich konnte Prof. Mühlbauer vom Pharmakologischen Institut inzwischen darauf ansprechen, er ist gern bereit auf diese Fragestellung bei den BAR-Treffen einzugehen; ich habe ihn im Übrigen so verstanden, dass man sehr darauf achten muss, die klinische Relevanz der möglichen Wechselwirkungen richtig einzuschätzen)

In ähnlicher Weise könnte man sich übrigens auch mit der Indikationsstellung für technische Untersuchungen beschäftigen - wann und wie oft Überweisung zum FA, wie kann ich sicher arbeiten ohne zu viel zu veranlassen.

Hier geht es um Diskussionen, die eine sachliche Verbesserung der Versorgung bewirken können, was sich langfristig auch auf das Ansehen unseres Berufes auswirken dürfte.


Gerd Praetorius