Anne-Kathrin Ludwig: „Ich kann nicht nur ein ‚bisschen’ arbeiten“

Dr. med. Anne-Kathrin Ludwig
Dr. med. Anne-Kathrin Ludwig

Ein kräftiger Händedruck, ein freundliches Lächeln, und dann legt Anne-Kathrin Ludwig los... Ihr  persönliches Anliegen: mit der VHI politisch besser wahrgenommen zu werden. Das bedeutet zum Beispiel die genauen Abrechnungsgrundlagen zu verstehen und dem Trend der Pauschalisierung entgegenzuwirken. Einzelleistung, so Ludwig, müsste auch weiterhin adäquat bezahlt werden. Schließlich gehe es um Qualitätssicherung der internistischen Arbeit. 
„Ich kann nicht nur ein ‚bisschen’ arbeiten“ sagt sie und meint, dass sie und ihre Kollegen sich in einem Zwiespalt befänden. Einerseits werden die medizinischen Kompetenzen und die tatsächlichen Leistungen durch Pauschalhonorare beschnitten, anderseits sollen die Ärzte weiterhin auf medizinisch hohem Niveau spezialisiert sein. Letztendlich – und das macht die Internistin richtig ,fuchsig‘ – gehe es der Politik nur um finanzielle Verteilungskämpfe. Welche Konsequenzen das in der praktischen Arbeit habe, sei den Entscheidungsträgern nicht bewusst. Und genau da setze die VHI an: um den zahlenmäßig unterlegenen Hausärztlichen Internisten eine Stimme zu geben und deren Interessen wirksam gegen fragwürdige Bundesbeschlüsse und Gesetzesvorlagen zu vertreten.
Schon als Teenager von 15 Jahren wollte Anne-Kathrin Ludwig Medizinerin werden. Nach dem Studium in Marburg, danach in Frankfurt, kam die gebürtige Marburgerin nach Bremen, wo sie sich letztlich dazu entschloss, Ärztin für Innere Medizin zu werden: „Ich wollte mich im Tätigkeitsfeld einfach nicht festlegen und gleichzeitig mehr in die Tiefe gehen.“ Internistische Hausärzte haben eine sehr fundierte Facharzt-Ausbildung, die immerhin sechs Jahre dauert. Anne-Kathrin Ludwig: „Dadurch sammeln wir großes Wissen und einen breiten Erfahrungsschatz. Erst ab dem vierten/fünften Weiterbildungsjahr habe ich mich wirklich sicher gefühlt. Da hatte ich genug gesehen, um  schnell zu differenzieren in wichtig und unwichtig (Stichwort Triage).“ Dieses Wissen schlägt sich in der Behandlungsmethode und der Behandlungsdauer nieder: „Ich nehme mir eine Kontaktzeit von 15 Minuten für eine vernünftige Anamnese. Die Regel sind fünf bis höchstens zehn Minuten.“ Und: „Ich würde heute gar nicht mehr ohne Ultraschall arbeiten, einfach um abzusichern, dass meine Diagnose wirklich stimmt.“ Schließlich haben es hausärztliche Internisten heute immer öfter mit multimorbiden Patienten zu tun. „Die Gesellschaft wird älter, und deshalb nehmen auch die inneren und chronischen Krankheiten zu. Da kommt jemand mit Diabetes, Bluthochdruck und Herzinsuffizienz in die Praxis. Die Beschwerden der Patienten sind in den letzten Jahren komplexer geworden“, erklärt Anne-Kathrin Ludwig. ‘Laufkundschaft’ mit Husten und Schnupfen oder einem verstauchten Knöchel seien bei ihr eher die Ausnahme. 
Das Bild des Internisten sei in den Patientenköpfen noch das alte, nämlich: „Da geht man hin mit schlimmen Krankheiten im „Bauch“. Tatsächlich übernahm früher der Hausarzt die Primärversorgung im Alltag und überwies den Patienten bei ernsthaften inneren Erkrankungen weiter an den Internisten. Heute sei eine wesentliche Aufgabe der Hausärztlichen Internisten allerdings „die unterschiedlichen Fachdisziplinen aufzufangen, damit sie nicht gegen einander arbeiten.“  Bei multimorbiden Patienten könnten daher „zu viele Köche den Brei verderben“ – wie es im Volksmund heißt.
Doch noch mal zum  Wirken der VHI. „Wir wissen nicht, wohin unsere Reise geht“, sagt Anne-Kathrin Ludwig, aber die Koffer haben die Mitglieder schon mal gepackt.