Anne-Kathrin Nethe: "Gemeinsam sind wir stark"

Dr. med. Anne-Kathrin NETHE
Dr. med. Anne-Kathrin NETHE

Einbahnstraßen-Denken liegt der gebürtigen Berlinerin und Wahlbremerin nicht. „Immer über den Tellerrand hinaus blicken“ lautet ihr Motto.  


Und das tut sie ganz konkret, indem sie sich unter anderem für die Bremer VHI stark macht: „Wir müssen vor allem die jungen Leute mit ins Boot holen, die Zahl der hausärztlichen Internisten geht zurück, und das Interesse an der hausärztlichen Tätigkeit nimmt ab.“ Was daran liegen mag, dass heute die Tätigkeiten trotz intensiver, sechsjähriger Facharztausbildung eingeschränkt und reglementiert sind. Und letztendlich die Bezahlung auch nicht leistungsgerecht ist. Nethe: „Mit der Bremer VHI haben wir die große Chance, gemeinsam unsere Interessen zu vertreten und uns vor allem politisch tatkräftig zu engagieren.“ Sie will Interesse wecken für berufspolitische Zusammenhänge, die dem Nachwuchs nicht immer geläufig sind. Und natürlich geht es Anne-Kathrin Nethe auch generell um die Wertschätzung und Anerkennung des Berufbildes des hausärztlichen Internisten.

Auch deshalb findet sie offene Worte der Selbstkritik: „Früher haben viele Internisten mit zu großem Aufwand Diagnosen gestellt und behandelt. Letztlich war das medizinisch nicht immer effektiver, leider aber kostenintensiv. Das führte dann dazu, dass die Politik eingriff und unseren Leistungskatalog drastisch beschnitt.“ Die Internisten mussten sich plötzlich entscheiden, ob sie als Facharzt oder 'nur' als Hausarzt tätig sein wollten. Im Gebiet der Hausarztmedizin gerieten die hausärztlichen Internisten in Konkurrenz zu den Allgemeinmedizinern.

Für Patienten und „Nicht-Mediziner“ ist der Unterschied zwischen einem allgemeinmedizinischen und einem internistischen Hausarzt ohnehin nicht wahrnehmbar. Oder doch?Anne-Kathrin Nethe lacht und zieht einen anschaulichen Vergleich: „Das wäre in etwa so, als ob man einem eingefleischten Werder-Fan sagt: „Ist doch egal, welcher Verein spielt, Fußball ist Fußball, und darum geht es doch.“ Geht es eben nicht! „Wir müssen uns unbedingt erhalten, was wir als Internisten gelernt haben, und überlegen, wie wir unser Wissen so nützlich einbringen, dass es den Patienten und ihrer guten Versorgung nützt.“

Sie möchte die spezialisierte und differenzierte Arbeitsweise des Internisten mit dem breiteren Ansatz des Hausarztes verbinden, was immer den Patienten zu Gute kommt.

„Ganz nah am Menschen“ möchte Anne-Kathrin Nethe in ihrem Beruf sein, deshalb macht er ihr (immer noch) sehr großen Spaß. Vielleicht auch, weil er so vielseitig und lebendig ist. „Als Hausärztin behandele ich so ziemlich alles – von harmlosen Störungen bis zu schwersten Krankheiten, von sozialen Sorgen bis zu psychischen Erkrankungen. Jeden Tag bringt jeder Patient eine neue und eigene fachliche und menschliche Herausforderung mit.“ Der sie sich gerne stellt: „Auf dem neuesten Stand der Fortbildung und mit hoher fachlicher Kompetenz arbeiten, dabei geduldig für jeden Patienten nach der individuellen Lösung suchen – das ist meine zentrale Aufgabe als hausärztliche Internistin." Den Stein des Anstoßes zur Berufswahl gab ausgerechnet eine Französischlehrerin, die selbst einmal Ärztin werden wollte und mit ihren Schülern „La Peste“ von Albert Camus las. „Mich faszinierte sowohl die Romanfigur des Pestarztes als auch die Ermutigung meiner Lehrerin“, erklärt Anne-Kathrin Nethe ihre Wahl zum Medizinstudium. Geboren und aufgewachsen im Westteil der damals noch geteilten Stadt Berlin, ging Anne-Kathrin Nethe nach Beendigung des Studiums 1988 nach Wilhelmshaven zur Ausbildung als Fachärztin für Innere Medizin. Fünf Jahre später war das Diakoniekrankenhaus in Rotenburg/Wümme die nächste Station. „Beide Kliniken boten als große Lehrkrankenhäuser eine enorme Bandbreite in der gesamten Inneren Medizin.“ Und durch die vielen anderen medizinischen Fächer wie Chirurgie, Gynäkologie, Urologie usw. war immer der (fachliche) Blick über den Tellerrand möglich.  Außerdem fuhr sie seit 1989 regelmäßig als Rettungsärztin auf dem Notarztwagen mit, erwarb die Zusatzqualifikation zur Rettungsmedizinerin. Die Promotion im Gebiet Allergologie schloss Anne-Kathrin Nethe 1992 ab, 1996 folgte die Prüfung zur Fachärztin für Innere Medizin. Drei Jahre später eröffnete sie ihre eigene Praxis als Hausärztin. „2007 kam dann Dr. Heiko Fasold dazu, so dass wir seit Oktober 2007 als Ärzte in einer Gemeinschaftspraxis arbeiten“, so Nethe. Auch darin zeigt sich wieder ihr Sinn für Gemeinschaft.