Gerd Praetorius: Konstruktiv und kritisch

Dr. med. Gerd PRAETORIUS
Dr. med. Gerd PRAETORIUS

„Konstruktiv“ und „kritisch“ lautet das Leitmotiv des ersten Vorsitzenden der VHI. 
Gerd Praetorius will mehr machen als einfach nur seinen Beruf ausüben, er will sich auch mit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Hintergründen seiner Tätigkeit auseinandersetzen. „Man kann seine Interessen nicht allein vertreten“, deshalb ist er als Gründungsmitglied seit 2002 in der Bremer VHI dabei. Als erster Vorsitzender der Vereinigung Hausärztlicher Internisten will er die VHI als Interessenvertretung von hausärztlichen Internisten erhalten und weiterentwickeln.


„Wir müssen besonders um die jungen frisch niedergelassenen Ärzte werben“, sagt Praetorius, „denn wir brauchen auch die nächste Generation, um die gemeinsamen Interessen zu vertreten. Und wir wollen verstehen, welche Anliegen sie bewegen.“ In der Tat, die Mitgliederzahl der VHI ist zwar seit Jahren verlässlich konstant, aber eben auch nicht gewachsen. 28 Ärzte engagieren sich derzeit bei der VHI, das ist immerhin fast ein Drittel der hausärztlichen Internisten aus Bremen. Um weiterhin und auch zukünftig mit ausreichendem Gewicht die Interessen vertreten zu können, müssten auch die Jüngeren ins Boot geholt werden. Auch, um die Doppeldeutigkeit zu überwinden, die aus der traditionellen Sonderrolle der internistischen Hausärzte resultiert.„Ich sehe mich ganz klar als Hausarzt“, so Praetorius. Und genau das ist sein wichtigstes Anliegen: Internistische Hausärzte müssten den Allgemeinmedizinern gleichgestellt sein. „Internisten sollten sich auch als Hausärzte niederlassen dürfen, und zwar nicht nur als zweitbeste Lösung, wenn kein Kollege aus der Allgemeinmedizin zur Verfügung steht. Wir Internisten sind für hausärztliche Tätigkeiten so gut qualifiziert, dass die gegenwärtige Regelung einfach nicht angemessen ist.“

 

Das Bild des Internisten ohne Schwerpunkt hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. „Wir sind heute auf Augenhöhe mit den Allgemeinmedizinern“, so Praetorius, anspielend auf das Selbstgefühl mancher Internisten aus vergangenen Tagen. Doch nicht nur die Einstellung, leider auch die Zuständigkeiten und damit verbunden die Honorare haben sich für hausärztliche Internisten verändert. Gerd Praetorius: „Früher haben die Internisten in einem gemischtem Spektrum ein bestimmtes Spezialgebiet abgedeckt. Durch die Streichung von spezialisierten Leistungen wurde mit einem Teil des Leistungsspektrums leider auch ein Teil des individuellen Honorarvolumens abgeschnitten. Dabei wurde damals vergessen, Kompensationsmöglichkeiten im allgemeinen hausärztlichen Tätigkeitsfeld zu schaffen “ Heute liegt die Aufgabe der hausärztlichen Internisten wie die aller Hausärzte eher in der Behandlung von chronischen und Alltagserkrankungen. Dazu kommt bei Bedarf die Koordination notwendiger fachärztlicher Untersuchungen und Behandlungen
Grundsätzlich haben hausärztliche Internisten ein Interesse daran, ein differenziertes Leistungsgeschehen im hausärztlichen Bereich zu ermöglichen und auch abzubilden. Natürlich kann heute unter ökonomischen Gesichtspunkten nicht mehr jeder Arzt unbegrenzt zahlreiche spezialisierte Leistungen erbringen. Schwerpunktbildungen sollten aber möglich sein. Die zum Teil propagierte Vergütung nach Fallpauschalen birgt die Gefahr einer Ausdünnung des hausärztlichen Leistungsspektrums.

 

Berlin, Kassel, Offenbach, wieder Berlin, dann Bad Oeynhausen und schließlich Bremen – Gerd Praetorius ist ein Kind der alten Bundesrepublik, lebt aber seit 1989 dauerhaft in der Hansestadt. Internist wurde er eher per Zufall. „Ich bin da reingewachsen. Ich wollte kein chirurgisches Fach wählen oder mich auf einen Körperteil, wahlweise eine Funktion beschränken.“

Seit 1985 ist er approbiert, 1993 Promotion in Marburg mit einem kardiologischen Thema. Nach Stationen in Herzchirurgie und Diabetesklinik folgte die Weiterbildung in Bremen und Umgebung. Seit 1994 ist er Facharzt für Innere Medizin, seit 2011 auch für Allgemeinmedizin. 1997 ließ er sich in eigener Praxis in Horn-Lehe nieder; seit April 2012 ist Gerd Praetorius Mitglied der Hausärztlichen Gemeinschaftspraxis Borgfeld.

 

Trotz Familie und eigener Praxis stellt er sich weiteren Aufgaben, die durchaus zeitintensiv sind. Dazu zählen: Gründungsmitglied der Neuen Hausarztliste NHL. Mitglied der Delegiertenversammlung der Ärztekammer seit 2004. Mitarbeit im Finanzausschuss der Ärztekammer, im Fachbeirat „Arznei- und Verbandmittel der Prüfungsstelle Ärzte/Krankenkassen“, sowie seit 2011 im Finanzausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung.