Hartmut Pape: „Wir müssen unsere Interessen effektiver vertreten“

Dr. Hartmut PAPE
Dr. Hartmut PAPE

Als die Bremer Sektion des Bundesverbandes Hausärztlicher Internisten 2002 an den Start ging, war Hartmut Pape von Anfang an aktiv dabei, um sich gegen die Sparzwänge im Gesundheitswesen zu wehren. 


„Unsere Leistungen wurden planwirtschaftlich beschnitten. Durch die so genannte K.O.-Liste konnten wir bei Kassenpatienten bestimmte Leistungen nicht mehr abrechnen. Und in unserem breit gefächerten Können wurden wir auch eingeschränkt.“ 
Obwohl es durchaus sinnvoll war, etliche teure und aufwendige Leistungen wie Röntgen oder Magen- und Darmspiegelungen nur noch von ausschließlich dafür spezialisierten Fachärzten durchführen zu lassen, führte die neue Verordnung – seiner Meinung nach - geradezu zu einer Kostenexplosion, anstatt Gelder zu sparen. Pape: „Besonders jüngere Patienten gehen heute gleich ohne eine genaue Diagnose zum Facharzt. Der schickt sie weiter an Kollegen anderer Fachabteilungen. Dadurch werden letztendlich mehrere Ärzte konsultiert, was in der Summe zu einer Verteuerung führt.“ Und auch der Überblick gehe verloren: Fachärzte sind oft zu fokussiert, glauben aber, dass Hausärzte die Situation nicht differenziert genug einschätzen können. Die Forderungen der Bremer VHI sind daher deckungsgleich mit den Erfahrungen, die Hartmut Pape während seiner langjährigen Tätigkeit gemacht hat: „Hausärztliche Internisten sollten multimorbide  Patienten übernehmen und quasi als Schnittstelle zwischen hausärztlichem und fachinternistischem Aufgabenbereich fungieren. Zweitens muss Qualität adäquat bezahlt werden: Statt der Pauschalisierung sollten Einzelleistungen abgerechnet werden. Und drittens sieht Hartmut Pape in der VHI auch die Möglichkeit, die Interessen von hausärztlichen Internisten effektiver zu vertreten.
Die neuen gesetzlichen Verordnungen wertet er als politische Fehlentwicklung, denn „wenn Qualität – sprich Arbeit – nicht mehr honoriert wird, wandern die jungen Ärzte ab. Der Ärztemangel ist eine Folge davon. Man muss bedenken, dass die jungen Kollegen hier mittels  Steuergeldern sehr teuer ausgebildet werden und dann der Allgemeinheit nicht mehr zur Verfügung stehen.“ Das altruistische Bild des selbst aufopfernden, idealistischen Mediziners habe nichts mit der Realität zu tun, in jeder anderen Berufsgruppe würden Dienstleistungen schließlich entsprechend bezahlt.
Persönlich ist es dem gebürtigen Bremer wichtig, „immer noch einen Blick zur Seite zu tun“ Vielleicht folgt er deshalb einem ganzheitlichen Ansatz in seiner Arbeit. „Ich denke, Heilung hängt auch sehr viel von dem Willen und dem Alter des Patienten ab. Außerdem muss man die Hintergründe von Krankheiten sehen und verstehen. Nur dann kann ganzheitlich auf mehreren Ebenen erfolgreich behandelt werden.“ Seiner eigenen Philosophie entsprechend, verfügt Hartmut Pape über ein fundiertes, breit gefächertes Spektrum innerhalb seiner Tätigkeit als Mediziner. Nach dem Abitur in Bremen ging er zum Studium nach Kiel. Nach dem Studium folgten erstmal der Zivildienst an einem Bremerhavener Krankenhaus und auch ein kurzes Studium der Musik in Bremen, als begeisterter Jazz-Fan spielte Hartmut Pape selbst Saxophon und Querflöte. Die Vielseitigkeit des Arztberufes überwog letztendlich aber doch: 1982 promovierte Pape, 1990 folgte der Facharzt für Innere Medizin, außerdem Zusatzqualifikationen für Sportmedizin, für traditionelle chinesische Medizin mit Schwerpunkt Akupunktur sowie für Psychosomatik. Vier Jahre später ließ sich Hartmut Pape in eigener Praxis nieder und ist bis heute ein engagierter hausärztlicher Internist. Die Entscheidung für den Arztberuf hat sich für ihn ausgezahlt, denn die Vielseitigkeit und der tägliche Umgang mit Menschen begeistern ihn jeden Tag aufs Neue: „Ich hätte nie einen Bürojob oder etwas Technisches machen wollen.“