Michael Neumann: „Ich bin ein Diagnostik-Freak!“

Dr. med. Michael NEUMANN
Dr. med. Michael NEUMANN

Dicht dransein am Patienten und eine genaue Diagnose zu stellen – darin sieht der Internist und Radiologe seine Berufung. Die Rivalität zwischen Haus- und Fachärzten findet er allerdings künstlich aufgedrängt. 


Angesprochen auf die VHI sagt Michael Neumann lachend: „Tja, wir sind schon ein merkwürdiger Verein.“ Dies aber nicht ohne Grund, denn seitdem der GBA (Gemeinsamer Bundesausschuss) als Normgeber die strikte Teilung zwischen Haus- und Fachärzten vorgab, da „rutschten wir Internisten plötzlich zwischen Baum und Borke. Wir  haben den fachlichen Überbau und das Know-how, sind in der täglichen Arbeit aber praktisch Hausärzte.“  
Deshalb sieht Michael Neumann auch die Notwendigkeit einer gemeinsamen Stimme aller Internisten: um Interessen besser vertreten zu können, um gegen die Kompetenz-Beschneidung an zu gehen und wieder mehr selbst machen zu „dürfen“. Beispielsweise endoskopieren, Echokardiographie oder röntgen. Zudem: „In den letzten Jahren haben wir Internisten unsere Ziele etwas aus den Augen verloren und sind immer weniger geworden.“ Schon deshalb lohne sich ein Interessenzusammenschluss wie die VHI.
Internisten, so Neumann, wühlen „wie die Trüffelschweine“ im Wald, um der Sache wirklich auf den Grund zu gehen. Auch, um dadurch besser differenzieren zu können. „Wir Internisten unterscheiden uns ganz deutlich in der diagnostischen Strategie von den Allgemeinmedizinern. Unser Credo lautet: erst die Diagnose, dann die Therapie.“ Deshalb würde besonders in den Kliniken die Arbeit des Internisten sehr geschätzt und sei hoch angesehen. „In der Welt der Mediziner stehen wir Internisten gut da, wir werden ja gern bei den ‚mysteriösen’ Fällen herzitiert. Vielleicht auch, weil wir fachlich noch andere Möglichkeiten haben, unsere Grenzen sind erweitert“, so Michael Neumann. 
Internistische Konsiliarii arbeiten immer kausal, und genau dieses Ursache-Wirkung-Denken mache ihm so viel Spaß. „Chirurgie war mir immer zu handwerklich, da bin ich nicht so gut geeignet. Mir bereitet es mehr Freude, mich intensiv mit der Diagnose und dem Patienten zu beschäftigen, selbst wenn die Behandlung dann etwas länger dauert. Ich bin eben ein Diagnostik-Freak.“ Er kümmert sich sehr intensiv um seine Patienten, geht gern mal in Vorleistung, um andere Kollegen zu entlasten, und sieht sich als „Ausputzer und Patientenmanager“ – gerade deshalb sieht er die Altenheim-Medizin als besondere Herausforderung.
Das war nicht immer so, denn eigentlich wollte Michael Neumann Kapitän zur See werden, der auf allen sieben Weltmeeren zu Hause ist. Rückblickend spielte aber wohl eher die Hafenromantik die wesentliche Rolle. „Zur Medizin kam ich, als der Vater eines Freundes – selbst Arzt – uns Jungs animierte, als Jung-Sanitäter Gutes zu tun. Und so liefen wir gut ausgebildet in Uniform über den Freimarkt und fühlten uns wichtig.“ Und taten wirklich Gutes, was zu einem Medizinstudium – zunächst in Erlangen, und dann in Saarbrücken, nach dem Physikum – führte. Den Facharzt machte Michael Neumann dann schon in Bremen. Und weil er in Bremen bleiben wollte und sich gegen die große Karriere mit Habilitation entschied, war der Bereich ‘Fachinternist‘ besonders reizvoll: „Die evidenzbasierte Medizin steht ja seit 1983 im Vordergrund – damit sind unsere diagnostischen Methoden faktisch gesichert.“ Und genau das ist es, was den „Diagnose-Freak“ glücklich macht!